Planänderung

Für den heutigen Sonntag ist perfektes Wetter vorher gesagt: Kein Regen, keine Hitze, runde 20 °C – alles ideal für eine schöne Runde mit der schwarzen Bullet.

Am Vortag hab ich mir schon zwei schöne Optionen ausgearbeitet: Einmal wäre da eine Fahrt nach Bad Laasphe in NRW, wo ein Treffen alter Motorräder mit dem Schwerpunkt Maico statt findet, und zum zweiten habe ich schon länger geplant, die Hochrhönstrasse mit einer Enfield abzufahren. Für beide Optionen muß ich früh los, so gegen 6.00 Uhr. Deshalb arbeite ich noch eben für beide Varianten die grobe Route aus. Dann werde ich beim Frühstück entscheiden, welche Route ich nehmen werde.

So weit die Planung – und jetzt zur Realität: Am Sonntag erwache ich gegen 9.00 aus einem unglaublichen Tiefschlaf. Das ist jetzt für einen Rentner nicht weiter schlimm, aber meine beiden tollen Pläne, also die Maicos und die Hochrhönstrasse, kann ich natürlich vergessen. Also wird kurzerhand umdisponiert und ich beschliesse spontan eine Tour durch die schöne Schwalm – die ist immer eine Reise wert. Und der Schwalm ist es egal, dass ich erst um 10.00 Uhr starte.

In die Schwalm gelange ich am besten über das Antrifttal. Das Wetter ist jetzt geadezu perfekt – what a beautyful day.

Zwischen Fischbach und Holzburg, beides bereits in der Schwalm, befahre ich diese herrliche Strasse mitten durch den Wald. Diese Strasse gehört mir jetzt ganz alleine.

Man, Maschine und das neue Buff-Tuch mit dem Union Jack.

An diesem hübschen Plätzchen habe ich das Knüllgebirge vor Augen, dem ich auch einen Besuch abstatten werde – ist ja schliesslich alles Schwalm.

Auf dem Knüllköpfchen ist es heute dermassen öde, dass ich nicht mal Lust habe, hier einen Kaffee zu trinken. Also schau ich mich nur ein wenig um.

Der Eisenberg mit seinem Funkturm gehört heut nicht zu meinen Zielen.

Ich verlasse das Knüllköpfchen also wieder, und zwar in Richtung Frielendorf, wo ich in Spieskappel am Spiess ein halbes Stündchen verweile.

Der Spiess, am Waldrand gelegen, ist ein mittelalterlicher Wachturm, an dem ich gern raste. Aber nicht zu lange, denn es gibt weitere schöne Ziele.

Nahe Frielendorf entdecke ich für mich diese alte Kirche, zu der einst ein Kloster und ein Klostergarten gehörten – und der Garten existiert immer noch und kann begangen werden.

Da muss meine brave Enfield mal einen Augenblick an der Kirchentür auf mich warten.

Dann empfängt mich ein herrlich verwunschener Klostergarten mit alten Mauerresten, überwuchert vom Efeu und ein alter Baumbestand, in dem sich Misteln angesiedelt haben.

Das alte Verbotsschild für Krafträder hätte ich am liebsten abgeschraubt.

Mehrere kleine Teiche finden sich im Klostergarten und ab und zu sehe ich einen Karpfen an die Oberfläche kommen.

Auf dem Rückweg aus dem wundervollen Garten erfahre ich, dass schon Martin Luther hier zu Gast war.

Am Ende des Tages habe ich runde 200 Kilometer in der schönen Schwalm zurück gelegt – echte Qualitäts-Kilometer. Habs ja schon gesagt: Die Schwalm ist immer eine Reise wert.

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